Amerika’s Heroin Problem – warum sich Abhängigkeit nicht mit einer Beschränkung der Produktion verhindern lässt

  • In den USA lässt sich eine wachsende Abhängigkeit von Opioden wie Heroin beobachten
  • Ähnliche Phänomene fanden sich auch im Amerika der 1920er Jahre, zu Zeiten der Prohibition und der Großen Depression

Amerika, das sogenannte Land der Freiheit, erlebt zur Zeit eine Drogen-Epidemie die so nicht vorhersehbar war. In den USA sterben mehr Menschen an Überdosen als dort zur Hochzeit der HIV-Epidemie an Aids starben.

125 Menschen sterben in Amerika, dem Paradebeispiel einer westlichen Lebensweise, täglich auf Grund von illegalen Drogen, 78 davon wegen Opiaten wie etwa Heroin.

Aber warum? Heroin schien für viele wie eine Droge, die in den Jahren von Trainspotting oder den Kindern vom Bahnhof Zoo ihren Höhepunkt gefunden hatte, und seitdem vom Fenster verschwunden war.

Was viele Kommentatoren, Journalisten und Politiker dabei am meisten beschäftigt ist die Gruppe, die diesem, neu erstarkendem, Drogenkonsum zum Opfer fällt: Denn seit den Anfängen des sogenannten „War on Drugs“, einer Zeit aus der auch viele unserer Vorurteile und Stigmata in Bezug auf Drogenabhängige stammen, hat sich viel geändert.

Diejenigen, die Drogen in Amerika heute zu Opfer fallen sind nicht mehr marginalisierte Gruppen, die damals Opfer der illegalen Drogen und damit verbundenen Kriminalität wurden. Heute ist es ist die weiße Mittelklasse – diejenige Mittelklasse, deren Unzufriedenheit mit der momentanen Situation in ihrem Heimatland auch während der Präsidentschaftswahl kundgetan wurde.

Es ist also klar erkenntlich, dass das neue, oder zumindest neu erwachende, Heroin-Problem sich eben nicht an den Grenzen der Gesellschaft bewegt, wie dies bei Drogenproblemen oft unterstellt wird, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen ist. Dies erklärt aber noch nicht warum.

Teil des Problems ist, dass Schmerzmedikamente wie Oxycodon in den USA relativ freizügig verschrieben werden. Gerade diese Medikamente bergen aber eine starke Gefahr der Abhängigkeit – dies ist klinisch bewiesen. Menschen, die derartige Schmerzmittel verschrieben bekommen, können also leicht abhängig werden, und ohne einen legalen Weg zu den Mitteln greifen sie auf den illegalen Pfad zurück.

Ein Hauptproblem dabei ist, dass es teils wesentlich günstiger ist, bei einem Dealer Heroin zu erwerben als dort Mittel wie Oxycodon kaufen, obwohl die Resultate ähnlich sind. Und schon ist man bei dem Teufelskreis angekommen, der den großen Kern der Rauschmittelsucht in den USA darstellt.

Besonders als die US-Regierung versuchte das Ausgeben derartiger Schmerzmedikamente zu begrenzen, verschlimmerte sich das Problem. Dies geschah im Zuge von Versuchen “Pharmageddon”, also die zunehmende Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Drogen, einzugrenzen. Denn nun war die Droge nicht nur schwerer erhältlich, sondern bei illegalen Dealern auch wesentlich teurer – Heroin dagegen war günstig.

Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte Amerikas, dass eine Abhängigkeit einer illegalen Substanz zum Problem der Mittelschicht wurde: Man denke nur an die USA in den 1920ern, als die Prohibition herrschte. In dieser Phase war Alkohol verboten, und Konsum wurde bestraft – so wie das heute bei Drogen der Fall ist. Und während sich obere Klassen auch weiterhin teuren geschmuggelten Alkohol leisten konnten, fielen viele der ärmeren Menschen auf gefährliche selbst-gemachte Alkoholika wie ‚Moonshine‘ zurück.

Auch die Prohibition dauerte nicht ewig an. Sie endete in der Ära der Großen Depression kurz nach einem passenden Satz von Roosevelt:

“I think we could all do with a beer.”

Dieser Vergleich soll keineswegs andeuten, dass Heroin oder derartige Opiate legalisiert werden sollten. Er soll lediglich darauf verweisen, dass eine Abhängigkeit von illegalen Drogen, sei es Alkohol oder Heroin, in der Mittelschicht zu Zeiten einer wirtschaftlichen Krise keineswegs etwas Neues ist.

Dennoch kann man eine Lektion aus dieser Geschichte nehmen. Diese soll nicht etwa sein, dass eine Legalisierung wichtig sei, sondern dass man die Ursachen des Problems bekämpfen muss, bevor man den Opfern einer derartigen Epidemie schadet. Denn die Opfer sind diejenigen, die in eine solche Dependenz fallen.

Quellen:

Barthélémy, A., 2015, Warum die Mittelschicht der USA ein Heroin-Problem hat. Online unter: https://www.welt.de/gesundheit/article149304726/Warum-die-Mittelschicht-der-USA-ein-Heroin-Problem-hat.html %5B03.04.2017%5D

McGreal, C., 2016, How cracking down on America’s painkiller capital led to a heroin crisis. Online unter: https://www.theguardian.com/science/2016/may/25/opioid-epidemic-prescription-painkillers-heroin-addiction [03.04.2017]

Moss, S., 2016, Why didn’t prohibition work? You asked Google – here’s the answer. https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/mar/30/prohibition-google-autocomplete [03.04.2017]

Niggehoff, L. 2016, 2016, Das gefährliche Heroin-Comeback. Online unter: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/drogen-in-den-usa-das-gefaehrliche-heroin-comeback-a-1084299.html [03.04.2017]

Sandbrook, D., 2012, How Prohibition backfired and gave America an era of gangsters and speakeasies. Online unter: https://www.theguardian.com/film/2012/aug/26/lawless-prohibition-gangsters-speakeasies [03.04.2017]

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